Rezension: "Goodbye Lover"
 

Original: Goodbye Lover

Regie: Roland Joffé

Darsteller: Patricia Arquette, Dermot Mulroney, Ellen DeGeneres, Mary-Louise Parker, Don Johnson
 
Thriller
Land: USA
Länge: 102 min.
Freig.: ab 16
US-Start: 16.04.1999
AT-Start: 13.08.1999

 Von Asokan

Filmplakat zu Goodbye LoverMan möchte meinen, daß das in den späten 80ern und frühen 90ern höchst populäre Genre des Erotikthrillers inzwischen zwischen den Bettkanten verschwunden ist. Nachdem Joe Eszterhas mit seinen konstant in Qualität, Logik und Glaubwürdigkeit abnehmenden Skripts zu den erotisch durchsetzten Krimis „Das Messer“ (1985), in dem Mandant Jeff Bridges Anwältin Glenn Close verführt, „Basic Instinct“ (1992), in dem Michael Douglas und Sharon Stone um die sexuelle Pole Position buhlen, „Sliver“ (1993), in dem Sharon Stone Voyeurismus gesellschaftsfähig machte, und „Jade“ (1995), in dem Linda Fiorentino jeden willigen Mann auf zwei Beinen aufnahm, das Genre nach und nach ausbluten ließ, sind reine Erotikthriller eher Mangelware. Ein bißchen Sex wird zwar jedem Thriller verpaßt, aber sexuell motivierte Handlungen aus Hollywood sind nach und nach am absterben.

Das kann man natürlich positiv wie auch negativ sehen. Zum einen wird Eszterhas, nach dessen Name der Ehrenpreis für das schlechteste Drehbuch bei der „Goldenen Himbeere“ benannt wurde, keinen strunzdoofen Reißer mehr fabrizieren, aber zum anderen wird es nach und nach happig mit bewährten Leinwandgrazien, die sich entblättern. Doch zu letzterem sei eine Entwarnung angebracht, zumal die wirklich willigen Damen überall und allerorts in einem Film, einem Magazin oder sonstwo ihre Möglichkeit zur Freikörperkult bekommen.  

Umso erfrischender wohl, daß sich Patricia Arquette in dem bunten Neo-Film noir „Goodbye Lover“ aus dem Jahre 1999 nicht nackt, dafür aber umso erotischer gibt. Die kleine Aktrice mit den großen blauen Augen, den blonden Haaren und dem Unschuldslächeln war zwar schon vorab in körpertonten, nackten Auftritten zu sehen („True Romance“, 1993, oder „Lost Highway“, 1996), aber hier genügt ihre solide Verkörperung einer Femme fatale, um für erotische Spannung zu sorgen. Doch diese steht bei dem mit allerlei Wendungen und falschen Fährten durchsetzten Thriller weniger im Vordergrund als diverse Beziehungskrisen.  

Der von John Ottman in schicken Bildern eingefangene Film beginnt mit der platinplonden Patricia Arquette als unverschwämt attraktive Immobilienmaklerin Sandra, die von einem Haus ins nächste springt und die opulenten Einrichtungen genießt. Ihr Ziel fest vor Augen, kreuzt sie bei ihrem Lover in der Kirche auf, wo dieser just die Kirchenorgel einstimmt. Ben Dunmore (Don Johnson) heißt der Glückliche, der gleich ein Quickie mit ihr durchzieht.  

Das einzig Fatale an der hemmungslosen Affäre zwischen den alterstechnisch auch etwas voneinander entfernten Partner ist der Umstand, daß Sandra mit Bens selbstzerstörerischem Bruder Jake (Dermot Mulroney) verheiratet ist. Dieser spürt, daß etwas faul ist, und übt sich in Mordgedanken bezüglich seiner Gemahlin, was auf Gegenseitigkeit beruht. Ben indes versucht Abstand von dem psychotischen Paar zu nehmen und geht eine Blitzehe mit seiner Sekretärin Blaine (Mary-Louise Parker) ein. Doch das Glück währt nur kurz, da die erboste Sandra ihrem Jake die Beziehung beichtet, vorauf dieser seiner Wut Ausdruck verleiht.  

Verzweifelt ruft Sandra nach Ben, der gleich in die Wohnung geeilt kommt. Einer der drei Figuren stirbt an dieser Stelle, was dazu führt, daß sich der zynische, clevere Sergeant Rita Pompano (Ellen DeGeneres) in den dubiosen Fall einmischt und gleichwohl zum Teil einer immer komplexeren Intrige wird, bei der niemand so recht weiß, wem er vertrauen soll und wer gegen wen im Kampf um das ganz große Geld aus der Versicherung antritt...  

Dies sollte auch den Lesern vorbehalten sein, die es lieben, sämtliche Wendungen einer Story bereits vorab in einem Bericht zu erfahren. Au contraire, my dear friend! Ich werde selbstredend keine der vielen Überraschungen verraten, die diese hübsch bebilderte, gut besetzte, aber für geübte Kinogänger größtenteils berechenbare Krimikomödie gerade auf diese Wendungen baut. Diese sind nicht immer logisch nachvollziehbar, machen aber den moderaten Spaß dieser Posse voller Intrigen, Sex, Mord, Verrat, Betrug, Erpressung etc. aus.  

Die Handlung ist jedoch alles andere als originell und zusammengeschneidert aus mehr oder minder bekannten Filmen der Schwarzen Serie, dem Kriminalfilm der 30er und 40er Jahre. Doch das mindert nicht unbedingt den Unterhaltungswert, was an dem soliden Tempo liegt, welches Regisseur Roland Joffé vorlegt. Der für „The Killing Fields“ und „Mission“ bekannte Filmemacher stapelt hier einmal mehr tief, jedoch nicht so tief wie bei dem Demi-Moore-Disaster von 1995, „Der scharlachrote Buchstabe“. Seine Arbeit hier ist handwerklich versiert, recht spannend und ansprechend umgesetzt. Keine große Leistung, aber immerhin.  

Die Besetzung hat ihre Höhen und Tiefen. Patricia Arquette setzt leider nur auf ihr cooles Aussehen und ihre zwei, drei unerwähnenswerten, wenn auch recht einfallsreich gefilmten Sexszenen und läßt einen ansonsten völlig kalt. Dermot Mulroney zeigt einmal mehr, daß er ein totaler Langweiler ist in der biederen Rolle des Jake. Besser ist da schon „Miami Vice“-Star Don Johnson, der für seine knapp bemessene Leinwandzeit überzeugt. Auch Mary-Louise Parker ist ansprechend verrucht wie naiv. Die beste Vorstellung jedoch liefert zweifellos TV-Star Ellen DeGeneres als scharfzüngige Polizistin, die ständig ihren dümlichen Assistenten Rollins (der amüsante Ray McKinnon) vorführt.  

Ähnlich wie der weit populärere Thriller „Wild Things“ (1998) baut „Goodbye Lover“ auf die Attraktivität seiner Darsteller wie auch auf den sich immer wieder drehenden Handlungsverlauf. Was dem älteren Film genüßlich-sündhaft gelang, ist hier ganz passabel durchgeführt. Also pure Unterhaltung mit leichter Kopfarbeit und manchem Augenschmaus!



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